Thank you, Great Britain

Posted by tfranke on 16/01/14

Wie die Europäische Union vom britischen Finanzminister George Osborne erfahren durfte, wird Großbritannien nur dann weiterhin „member of the club“ bleiben, wenn sich Europa erneuert.

Der Grund: „It is the status quo which condemns the people of Europe to an ongoing economic crisis and continuing decline. And so there is a simple choice for Europe: reform or decline.”

Reform oder Niedergang! Eine wahrhaft historische, entscheidende Phase für das Bündnis! Jedoch zuckt man ein wenig zurück, beim Nachdenken über diese Aussage. Ist das nicht immer so? Ist man nicht allerorten und immer gezwungen, sich zu entwickeln? Ist es nicht normal, dass man untergeht, verliert und scheitert, wenn man auf wechselnde Umwelteinflüsse nicht flexibel reagiert? Heißt es nicht im Bezug auf die Evolution, dass nicht die Stärksten aber die Anpassungsfähigsten den Kampf um das Leben gewinnen? Das war schon bei den Dinosauriern so.

Auf welcher Ebene befinden wir uns also, wenn wir den Worten aus Großbritannien lauschen? Ist Europa ein reformunwilliger Haufen aus 28 Staaten? Schauen wir der Veränderung ins Auge und tun aber doch nichts? Sind wir Europäer (und als ein solcher fühle ich mich angesprochen) selbstgerechte Zöglinge, die den globalen Wettbewerb und die Krise im eigenen Hause selbst noch nicht zureichend registriert haben? Beim Blick in die Geschichte der EU wird deutlich, dass Europa vor allem deswegen gewachsen ist und bislang so erfolgreich war, eben weil wir aus Krisen gelernt und das Beste daraus gemacht haben. Das ist ziemlich vital und lebenskräftig.

„Well, my dear Englishmen …“ ist man geneigt, zu sagen. Die Lage in Europa ist kompliziert. So, wie Europa aus verschiedenen Staaten besteht, so gibt es auch durchaus unterschiedliche wirtschaftliche Bedingungen dort. DAS Europa gibt es gar nicht. Es ist auch nicht so, dass man sagen müsste, die Staats- und Regierungschefs, die Kommissare und Europaparlamentarier hätten den Ernst der Lage nicht erkannt und würden einfach tatenlos durchregieren. Man kann trefflich darüber streiten, ob wir schon den richtigen Schlüssel gefunden haben, um die Finanz- und Wirtschaftskrise, um die globalen Herausforderungen im Bezug auf Nahrungsmittelsicherheit, Datenschutz, sicherheitspolitische Risiken und vieles mehr, zu lösen. Man kann trefflich darüber streiten, ob Europa schon den richtigen Weg in der demokratischen Grundordnung eingeschlagen hat und ob die Interessen der Bürgerinnen und Bürger aber auch der verschiedenen Stakeholder genügend und gerecht berücksichtigt werden. Darüber streiten wir ja auch und das ist gut so!

Eines steht für mich jedoch fest. Ein Europa ohne Mitwirkung gibt es nicht. Sich kommod zurücklehnen und sagen „Reformiert Ihr euch erst mal, wie es uns gefällt und danach überlegen wir, ob wir weiterhin dabei bleiben“, läuft dem Gedanken einer Solidargemeinschaft dermaßen zuwider, dass man tatsächlich fragen muss, ob Great Britain noch in die EU passt. Ist es wirklich Volkes Stimme, die da spricht? Ich hoffe es nicht! Ein solches Land hat in der EU dann auch wirklich nichts verloren. Es ist keine Frage, dass ein jeder Staat nach dem Optimum strebt. Kein Land darf und muss seine eigenen nationalen Interessen für die EU verkaufen. Wer jedoch bei diesen Überlegungen nicht wenigstens einen Schritt weiterdenkt und erkennt, dass das Einfügen in eine Solidargemeinschaft letzen Endes auch nur zum eigenen Vorteil sein dürfte, der fährt auf Sicht im dichten Londoner Nebel.

Für diese Erkenntnis bin ich Herrn Osborne sehr dankbar. Es verändert meinen „mindset“. Ich freue mich auf das Referendum in Großbritannien. Es wird zeigen, ob die Bevölkerung in der EU bleiben will, oder nicht. Beides wird die EU stärken. Im schlechten Fall würden wir einen Partner verlieren, der den gemeinsamen Gedanken ohnehin nicht mitträgt. Im positiven Fall und einer Entscheidung für Europa können wir uns sicher sein, dass Großbritannien ein vollwertiges und mitdenkendes Mitglied unserer Gemeinschaft ist. Wieder eine Krise, aus der die EU in jedem Fall gestärkt hervorgehen wird. Danke Great Britain!

 

3 Responses to Thank you, Great Britain »»

  1. Comment by Iwantout | 2014/01/17 at 23:06:06

    The UK may vote to leave. We may also vote to stay in but in that case it will be the EU as it is currently. Any other changes (using the euro, schengen etc) will be subject to another vote. can you honestly imagine a UK referendum agreeing to either of those or indeed any further transfer of power to the EU ?

    The nightmare scenario may well be the UK voting to stay in the EU but the EU as it currently is and still fighting / obstructting / requiring opt outs etc. for any changes that the EU wants to put in place. The awkward partner will remain.

    If on the other hand the EU makes it clear that a YES vote means full integration into the EU the answer is more than likely going to be no thank you.

  2. Comment by evad666 | 2014/01/17 at 23:50:08

    Mit Großbritannien aus der EU-andere werden mehr bezahlen müssen und auch öffnen ihre Türen für alle, die die Kommission Dumping in Großbritannien unterdrückt Löhne und Beseitigung der Notwendigkeit, Mitarbeiter zu schulen. Sind die Menschen bereit Deutsch diskriminiert zu werden und zu sehen, ihre eigenen Kinder in den Selbstmord durch einen Mangel an Hoffnung für die Zukunft angetrieben?
    So viel zur Solidarität.?

  3. Comment by evad666 | 2014/02/03 at 19:18:29

    Brüssel hat “atemberaubende” Ausmaß der Korruption in Europa kritisiert, sondern unterdrückt Erkenntnisse über Fehlverhalten innerhalb der EU-Institutionen. Genug der Heuchelei Pro EU die Menschen in seiner konstituierenden Nationen nicht mehr leisten können.


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