Leben in der Bude?

Posted by tfranke on 04/02/14

Jean-Claude Juncker und Martin Schulz sind nun also die neuen europäischen Spitzenkandidaten. Das ist eine gute Wahl. Beide sind bekannt, man darf Ihnen viel zutrauen und sie sind charismatische Persönlichkeiten. Doch es beschleicht einen ein ungutes Gefühl. Beide Kandidaten sind so absehbar gewesen, wie der Tag und die Nacht. Beide sind schon längst europapolitische Profis und damit von den nationalen Politikern der einzelnen Länder so weit entfernt, wie Brüssel von Berlin. Das hilft Europa nicht. Es ist mal wieder die übliche politische Klasse, die sich gegenseitig die Posten zu schiebt. Frische Kandidaten, die noch wahrnehmbare nationale Wurzeln haben, werden vermieden, um in ganz Europa hoffähig zu sein. Das entspricht nicht dem Geist Europas. Wir Europäer haben Nationalitäten und pflegen unsere regionale Herkunft. Das ist normal und, um mit den Worten eines Regionalpolitikers aus Berlin zu sprechen, auch „gut so“. Sicher braucht es einen Profi, um als Kommissionspräsident bestehen zu können. Aber es braucht auch einen Charakterkopf mit Ecken und Kanten, um der Bevölkerung Europa wieder näher zu bringen. Beide Politiker sind so etwas wie Allrounder in diesem Geschäft. Sie versuchen beides zu können – charismatische Führungspersönlichkeit und Experte im Detail. Allrounder sind aber nun einmal auf keinem Gebiet Spitze. Und damit setzt sich wieder einmal das Mittelmaß durch. Europa wird immer mehr zu einer Fachveranstaltung für Verwaltungswissenschaftler. Damit lässt sich effizient Politik machen. Europa wird damit gut funktionieren, ob es auch gelebt wird, ist eine andere Frage.

 

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